Im Jahre 1980 hatten sich im oberen Feistritztal an die 50 Frauen und auch einige Männer vornehmlich aus den Gemeinden Fischbach, Strallegg, Ratten, Anger und Waisenegg zur Arbeitsgemeinschaft "Hand- und Heimarbeit Oberes Feistritztal" zusammen gefunden. Deren Ziel war es, sich durch Handarbeiten einen geringfügigen Zuverdienst zu schaffen. Den kunstsinnigen und kunstfertigen Frauen gelang es, mit Stricken, Häkeln, Spinnen und Weben, mit der Herstellung von Trachtenkleidern, handgewebtem Leinen und selbst gesponnener Wolle alte und beinahe vergessene Traditionen wieder aufleben zu lassen. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand der gemeinnützige Verein „Hand-und Heimarbeit aus der Waldheimat“.
Dieser Verein besteht heute noch.

Hand- und Heimarbeit aus der Waldheimat – Entstehungsgeschichte und Intentionen


Im Jahre 1980 arbeitete ich in einem Arbeitskreis mit, der die Situation der Frauen im Bezirk Weiz erfassen sollte. Es stellte sich heraus, dass es um die Arbeitsplätze im nördlichen Teil des Bezirkes sehr schlecht bestellt war und auch heute noch ist. Die Männer pendeln, den Frauen ist diese Möglichkeit aus familiären Gründen meist verschlossen. Mit dieser Feststellung begnügten wir uns damals nicht, wir sannen auf Abhilfe. Da tauchte die Idee auf, die Kreativität und die handwerkliche Fertigkeit, die ja in jedem von uns schlummert und in der Landbevölkerung aus wirtschaftlichen Gründen noch besonders ausgeprägt ist, zu wecken, zu fördern, Arbeiten herzustellen und diese in irgendeiner Weise zu vermarkten. Aus dieser Idee entwickelte sich allmählich der gemeinnützige Verein „Hand- und Heimarbeit aus der Waldheimat“. Unser Verein mit  33 Mitgliedern, vornehmlich Frauen, bemüht sich, in unserer engeren Heimat einen bescheidenen Zu- und Nebenverdienst zu ermöglichen. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen Gemeinden des oberen Feistritztales und stellen qualitativ hochwertige Handarbeiten und kunstgewerbliche Werkstücke her. Der Verein übernimmt die gesamte Organisation, erschließt die Absatzmöglichkeiten für die Produkte und organisiert die Kurse für die Weiterbildung.

Unser Anliegen ist es, altes Handwerk und die dazugehörige Kunstfertigkeit wieder aufleben zu lassen und zu pflegen. Wir wollen jedoch nicht im Traditionellen stecken bleiben, sondern bemühen uns, die alten Formen den Bedürfnissen der heutigen Zeit entsprechend anzupassen und weiter zu entwickeln.
Das Zusammenwirken zwischen regionalem Fremdenverkehr und traditionellem Handwerk im oberen Feistritztal ist uns ebenfalls ein großes Anliegen. Die Arbeit im Verein bietet viele Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung, dadurch haben die Frauen an Selbstbewußtssein und Selbstwertgefühl gewonnen.

Helga Arzberger, Obfrau

Hand- und Heimarbeit- Heitere Anekdoten aus unseren Anfängen

Ort: Kunsthandwerksmarkt Bad Gleichenberg:
Unsere Frauen, gekleidet in wunderschönen, echten Trachten, werden beim Verkauf unserer Werkstücke mitleidig gefragt: „Habt ihr das wirklich notwendig?“


Ort: Kunsthandwerksmarkt am Färberplatz, Graz:
Wir sind gerade fleißig beim Aufbauen der Stände für einen Weihnachtsmarkt. Ein paar Schüler aus der am Färberplatz gelegenen Schule laufen vorbei und meinen so nebenbei: „Aha, schon wieder ein Fetzenmarkt!“


Ort: Vor den Räumen des Vereines „Hand-und Heimarbeit aus der Waldheimat“, Fischbach:
Einige weibliche Sommergäste stehen auf der Straße vor dem Vereinslokal, begutachten die in den Vitrinen ausgestellten Arbeiten und betrachten neugierig durch die offene Türe die im Ausstellungs-
und Verkaufsraum tätigen Frauen. Halblaut, doch sehr deutlich vernehmbar, stellen sie ihre Betrachtungen an;

„Ist das nun eine Wohnung oder ein Geschäft?“

„Wird hier nur ausgestellt oder kann man auch etwas kaufen?“

„Sonderbare Waren führen die !“ 

„ Was für Menschen arbeiten hier?“
Bis schließlich eine Meinung die Neugierde aller befriedigt:

„Ach, ich weiß schon, das sind alles Behinderte !“

Höhepunkte

  • 1981
    • 1. Ausstellung in der Länderbank am Eisernen Tor, Graz
    • 1. Verkaufsausstellung am Färberplatz in Graz, seitdem alljährliche Teilnahme
  • 2.2.1982: Gründung des gemeinnützigen Vereines "Hand- und Heimarbeit im Oberen Feistritztal"
  • 3.8. 1982: Umbenennung des Vereines in "Hand- und Heimarbeit aus der Waldheimat"
  • 1983/1984: Besuch der 47. und 48. Internationalen Kunsthandwerks-Ausstellung in Florenz
  • 1984: Beratung über Steuerfragen mit Frau Mag. Cordula Frieser
  • 1984 + 1994: mehrere Wochen dauernde Weihnachtsausstellung im Raiffeisenhof, Graz
  • 1985: Besuch der "Internationalen Fachmesse Souvenir" in Salzburg
  • 7. Juni 1986: Eröffnung und Einweihung der Arbeits- und Ausstellungsräume des Vereines "Hand- und Heimarbeit aus der Waldheimat" im alten Gemeindehaus, 8654 Fischbach 20
  • 1986: Entwurf und Vorstellung des Waldheimatdirndls (Alltags- und Sonntagstracht, Spenzer) unter Anleitung des Heimatwerkes, Graz

Das Waldheimat-Dirndl

 

                                                Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung!